Trauer um Dieter Barnicol-Oettler

Am 23. Novem­ber 2021 ist Die­ter Bar­ni­col-Oett­ler gestor­ben. Er hat viel zur Heu­bi­scher Geschich­te recher­chiert, ana­ly­siert, doku­men­tiert und publi­ziert. Sein Wis­sens­schatz geht hof­fent­lich nicht verloren. 

Trau­er­an­zei­ge

Am 22. Dezem­ber 2021 ist ein Nach­ruf im Frei­en Wort erschienen.

Die Müh­len hat­ten es ihm angetan

von Cath­rin Nicolai

Heu­bisch – War man auf der Suche nach alten Fak­ten aus der Fami­li­en und Gewer­be­ge­schich­te des Son­ne­ber­ger Unter­lan­des, hieß es oft „Da musst du mal den Die­ter fra­gen“. Und der Die­ter wuss­te es genau. Viel Zeit sei­nes Lebens hat er der Erfor­schung der Geschich­te der Lebens- und Arbeits­ver­hält­nis­se im Son­ne­ber­ger Unter­land gewid­met. Haupt­säch­lich hat­ten es ihm die Müh­len ange­tan, von denen es einst in der Regi­on eine Men­ge gab.
1937 in Köp­pel­s­dorf gebo­ren, ver­brach­te Die­ter Bar­ni­kol-Oett­ler hier sei­ne Kind­heit und Jugend. Ende der 50er Jah­re zog er für kur­ze Zeit nach Neu­haus-Schier­schnitz. Inzwi­schen hat­te er sei­ne Anne­ma­rie ken­nen- und lie­ben gelernt und bau­te sich mit ihr in dem Haus ihrer Fami­lie ein gemein­sa­mes Nest. 1965 kam Sohn Frank auf die Welt, spä­ter mach­te Toch­ter Ant­je das Fami­li­en­glück per­fekt.
Blickt man auf sein Leben zurück, fällt auf, dass Die­ter Bar­ni­kol-Oett­ler in sei­nem Leben viel gelernt hat. Zunächst absol­vier­te er bis zur ach­ten Klas­se die Grund­schu­le in Köp­pel­s­dorf und ent­schied sich dann, in der Stern Radio Son­ne­berg den Beruf eines Werk­zeug­ma­chers zu erler­nen. Dar­an schloss sich eine Aus­bil­dung zum Funk­me­cha­ni­ker an. Kaum hat­te er die gemeis­tert, hol­te er an der Volks­hoch­schu­le die neun­te und zehn­te Klas­se nach, denn der jun­ge Mann woll­te wei­ter­kom­men. Den höhe­ren Schul­ab­schluss in der Tasche, ging er in Mitt­wei­da die Meis­ter­aus­bil­dung für die Elek­trof­ein­tech­nik an. Damit aber nicht genug. Auch sei­nen Indus­trie­meis­ter woll­te er noch haben und drück­te noch ein­mal die Schul­bank. Zwi­schen­durch hat­te er sei­ne beruf­li­chen Gefil­de gewech­selt und war in den Elek­tro­ke­ra­mi­schen Wer­ke Son­ne­berg in Malm­erz und in Neu­haus-Schier­schnitz tätig. Hier meis­ter­te er neben­bei sein Fern­stu­di­um zum Diplom­in­ge­nieur, das er eben­falls erfolg­reich abschloss. Sein umfang­rei­ches Wis­sen konn­te er bis zu sei­nem vor­zei­ti­gen Ruhe­stand, den er 1992 begann, ein­brin­gen.
In sei­ner Frei­zeit hat­te Die­ter Bar­ni­kol-Oett­ler mit Haus und Hof genü­gend zu tun. Aber das Leben in Von Cath­rin Nico­lai Nach­ruf Die Müh­len hat­ten es ihm ange­tan sei­nem Hei­mat­ort woll­te er mit­ge­stal­ten. Des­halb wirk­te er nach der Wen­de auch eini­ge Jah­re im Gemein­de­rat mit. Dane­ben arbei­te­te er eini­ge Jah­re im Kreis­tag mit und brach­te auch hier sein Wis­sen ein. Gern gese­he­nes Mit­glied war er in der Feu­er­wehr, in der er seit sei­ner Jugend mit­wirk­te, aber auch im Sand­stein­brü­cken- und im Brun­nen­ver­ein. Sein Wis­sen war aber auch bei der Gestal­tung von Chro­ni­ken oder klei­nen Heft­chen gefragt, die von ver­schie­de­nen Ver­ei­nen erar­bei­tet wur­den.
Wer ihn kann­te, weiß, dass Die­ter Bar­ni­kol-Oett­ler ein Küm­me­rer war. Hat­te er etwas ver­spro­chen, setz­te er alle Hebel in Bewe­gung, um sei­ne Zusa­ge auch ein­zu­hal­ten. Haupt­säch­lich in Heu­bisch hat er oft so man­chen den gemüt­li­chen Abend vor der Flim­mer­kis­te geret­tet, konn­te er dank sei­ner Aus­bil­dung eini­ge Fern­se­her wie­der in Ord­nung brin­gen.
Einen ganz wich­ti­gen Teil nahm in sei­nem Leben die His­to­rie sei­ner Regi­on ein. Beson­ders hat­ten es ihm die Fami­li­en- und die Gewer­be­ge­schich­te ange­tan, die er akri­bisch nach­forsch­te. Für die Tages­zei­tung „Frei­es Wort“ hat er eine Serie über die Müh­len des Son­ne­ber­ger Unter­lan­des“ ver­fasst.
Im Früh­jahr war beim ihm eine Hüft-OP geplant, die er auch woll­te. Kör­per­lich erhol­te er sich schnell wie­der. Aber geis­tig bau­te er immer mehr ab. Eine Demen­z­er­kran­kung setz­te dem stets agi­len Rent­ner arg zu. Nach einem kur­zen Kran­ken­haus­auf­ent­halt wegen wei­te­rer gesund­heit­li­cher Pro­ble­me ver­starb Die­ter Bar­ni­kol-Oett­ler Ende Novem­ber zuhause.

Am 25. Dezem­ber 2021 ist im WOCHENSPIEGEL Son­ne­berg ein Nach­ruf der Heu­bi­scher Ver­ei­ne erschienen.

Nach­ruf auf Die­ter Barnicol-Oettler

von G. Weber

HEUBISCH — Der Hei­mat­for­scher und Orts­chro­nist, Feu­er­wehr­ka­me­rad, Brü­cken­ver­eins­mit­glied Die­ter Bar­ni­col-Oett­ler, hat sein letz­tes Lebens­ka­pi­tel voll­endet. Wir trau­ern um einen pro­fun­den Ken­ner der nun­mehr fast 860-jäh­ri­gen Heu­bi­scher His­to­rie, der mit sei­ner flei­ßi­gen und umtrie­bi­gen For­schungs­ar­beit mehr Far­be in das Geschichts­bild des Unter­land­or­tes brach­te und manch längst Ver­ges­se­nes wie­der in Erin­ne­rung rief.
Sei­en es der Ursprung der ehe­ma­li­gen Heu­bi­scher Sand­stein­brü­cke, der ver­mut­li­che Abste­cher Mar­tin Luthers in das Dorf, die Fol­gen der Krie­ge für den Ort, die Ent­wick­lung von Hand­werk und Bau­ern­schaft oder von ihm bear­bei­te­te wei­te­re The­men – sei­ne Hand­schrift brach­te stets inter­es­san­te Erkennt­nis­se.
Zugleich sind sei­ne Bei­trä­ge zur neue­ren Zeit, erschie­nen in der Tages­zei­tung oder ande­ren Ver­öf­fent­li­chun­gen wie unse­rer Fest­schrift zur 850- Jahr-Fei­er, gewiss wert­vol­le Erin­ne­rungs­hil­fen und Zeit­zeug­nis­se für kom­men­de Genera­tio­nen. Unse­re Auf­ga­be wird es sein, sein Erbe zu bewah­ren und zu pfle­gen. Sei­nen Ange­hö­ri­gen spre­chen wir unser tief­emp­fun­de­nes Bei­leid aus.

Heu­bi­scher Com­pu­ter­stamm­tisch
Sand­stein­brü­cke Heu­bisch e.V.
Feu­er­wehr­ver­ein Heu­bisch e.V.